Eine Heirat ändert nicht nur das Leben, sondern auch die Steuerklasse

Den Bund fĂŒrs Leben schließen die meisten aus einer tiefen Verbundenheit fĂŒreinander und Liebe, doch auch in steuerlicher Hinsicht kann es sich lohnen. Dabei hat sogar das Datum der Hochzeit einen wesentlichen Einfluss.

Wegen der Steuer heiraten – diese Argumente sprechen dafĂŒr

Eine Hochzeit hat nicht nur Auswirkungen auf den Familienstand der Betroffenen. Die steuerlichen Änderungen können durchaus stark sein. Es gibt einige GrĂŒnde, die dafĂŒrsprechen, wegen gĂŒnstigerer SteuersĂ€tze oder genereller SteuervergĂŒnstigungen dem Partner sein Ja-Wort zu geben. Es lohnt sich wenn die beiden zukĂŒnftigen Eheleute unterschiedlich viel verdienen oder ein höheres Elterngeld fĂŒr den spĂ€ter Nachwuchs haben möchten. Wer sehr hohe Zinseinnahmen hat und in der Folge Kapitalertragsteuer sparen möchte, ist ebenfalls gut beraten, zu heiraten.

people-2595862_1920© Foto StockSnap / pixabay

Ehegattensplitting spart Steuern

Splitting benennt den grĂ¶ĂŸten Steuervorteil beim Heiraten. Dieser kann ganz einfach in Anspruch genommen werden, indem die beiden Eheleute eine gemeinsame SteuererklĂ€rung abgeben und dabei die Zusammenveranlagung beantragen. Dabei addiert das Finanzamt beide Einkommen und teilt diese Summe durch Zwei. Und genau fĂŒr dieses Resultat wird dann die Einkommensteuer berechnet. Das Ergebnis daraus wird wiederum verdoppelt, womit die fĂ€llige Einkommensteuer fĂŒr das Ehepaar errechnet ist. Ist der Unterschied der beiden Einkommen sehr groß, kann sich diese Vorgehensweise durchaus lohnen.

Spareffekt durch Optimierung der Steuerklassen

Wer heiratet, kann sich auch seine Steuerklasse aussuchen. In der Regel stehen dabei unterschiedliche Kombinationen zur VerfĂŒgung, wobei die Steuerklassenkombination 4/4 einem Ehepaar nach der Hochzeit automatisch zugeteilt wird. Die Steuerklasse 4 eignet sich fĂŒr Ehepaare, die splitten wollen, wobei die jeweiligen GehĂ€lter ungefĂ€hr gleich groß sind. Hier ist vorgeschrieben, eine SteuererklĂ€rung abzugeben. Die Varianten 3/5 bzw. 5/3 ist fĂŒr alle jene gedacht, bei denen ein Einkommen hoch, das andere niedrig ist. Der Besserverdiener entscheidet sich fĂŒr Steuerklasse 3, der andere wĂ€hlt die Klasse 5. Wer mehr verdient, hat damit weniger AbzĂŒge und erhĂ€lt ein grĂ¶ĂŸeres Nettogehalt ausbezahlt. TrĂ€gt einer der beiden Eheleute 60 Prozent oder mehr zum regulĂ€ren Familieneinkommen bei, ist diese Kombination in jedem Fall lohnenswert.

Steuervorteile sind immer nur temporÀr

GrundsÀtzlich ist zu beachten, dass viele der genannten steuerlichen Vorteile, die durch die Wahl der optimalen Steuerklasse entstehen, zeitlich begrenzt sind. Abgesehen davon muss damit gerechnet werden, dass es in AusnahmefÀllen zu einer Steuernachzahlung kommen kann.

wedding-725432_1280© Foto artisticfilms / pixabay

Weitere finanzielle Vorteile durch eine Heirat

Wer heiratet, kann auch den Bezug des eventuell spĂ€teren Elterngeldes optimieren. Viele Lohnersatzleistungen sind an das individuelle Nettogehalt verknĂŒpft. Mit der Wahl der perfekt passenden Steuerklasse können Eltern- oder Arbeitslosengeld entsprechend direkt beeinflusst werden. Gerade in Bezug auf das Elterngeld sollte allerdings berĂŒcksichtigt werden, dass der Wechsel der Steuerklasse spĂ€testens sieben Monate vor der Geburt des Kindes vollzogen sein muss.

Höhere FreibetrÀge als weiterer Vorteil

Gutverdiener investieren oft in Kapitalanlagen. Hat dies ein Ehepartner getan, der andere aber nicht, kann sich die Hochzeit finanziell lohnen. Der Sparerfreibetrag, der eigentlich 810,00 Euro ausmacht, verdoppelt sich fĂŒr Paare und kann in der Folge komplett frei aufgeteilt werden. Damit kann der eine den Freibetrag des Partners nutzen und insgesamt 1602,00 Euro an Zinsen oder Dividenden jĂ€hrlich einnehmen, ohne dass die dafĂŒr berechnete Abgeltungssteuer gezahlt werden muss.

Geschenke und Erbschaften fallen gĂŒnstiger aus

In Sachen teure Geldgeschenke oder Erbschaften gibt es nach der Hochzeit Vorteile. In Bezug auf Geldgeschenke steht den Eheleuten nach der Heirat jeweils ein Freibetrag von 500.000 Euro zur VerfĂŒgung, vor dem Gang zum Standesamt sind es nur bis zu 20.000 Euro. Diese FreibetrĂ€ge und ihre Grenzen gelten auch hinsichtlich der Erbschaftssteuer. Zudem kommt hinzu, dass die gesetzlich geltende Erbfolge unverheiratete Paare nicht anerkennt. Ist kein Testament vorhanden, erbt der Partner nichts.

Auf den Termin der Hochzeit achten

Wann steuerliche Vorteile, die durch die Hochzeit entstehen, genutzt werden können, hĂ€ngt vom Hochzeitsdatum ab. Das Steuersplitting gilt rĂŒckwirkend fĂŒr das komplette Jahr. Wer zum Beispiel am 31.12. den Bund fĂŒrs Leben schließt, gilt bereits von Jahresbeginn an als verheiratet. Anders ist die Sachlage hinsichtlich des Wechsels von Steuerklassen. Denn dieser greift immer erst im Monat unmittelbar nach der Beantragung. Möchte jemand ab Dezember eine neue Steuerklasse, muss er im November heiraten.

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.