So nah und doch so fern

In den nüchternen Zahlen des Statistischen Bundesamtes ausgedrückt, leben in Deutschland 13,4 Millionen Menschen allein. Davon sind rund 2,35 Millionen Personen unter 30 Jahre alt. Ein Teil dieser jungen Singles wird seine familiäre Situation noch ändern, aber der Trend der letzten Jahrzehnte zeigt es deutlich. Immer mehr Menschen ziehen es aus unterschiedlichen Gründen vor, alleine zu leben.

Dieses Phänomen tritt in allen Gesellschaften auf, die einen bestimmten Grad der Technisierung, der Infrastruktur und des Konsumverhaltens erreicht haben. Nur dann sind die Voraussetzungen gegeben, um tatsächlich ohne größere Probleme einen Haushalt alleine zu unterhalten. Die noch vor 60 bis 70 Jahren in Deutschland durchaus üblichen Großfamilien mit 5 bis 8 Kindern entsprangen gesellschaftspolitischen, religiösen und wirtschaftlichen Zwängen. Kurz gesagt, eine moderne, demokratische Gesellschaft erlaubt große persönliche Freiheiten, wozu das Single-Leben mit all seinen Vorzügen, wie der völligen Selbstbestimmung, gehört.

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Das Single-Leben kann auf Dauer zur selbst gewählten Isolation führen. Materielle Zwänge können ein Grund für die soziale Abgrenzung sein. Mit zunehmendem Alter wird es für den Single-Mann, wie für die Single-Frau zunehmend schwieriger, soziale und familiäre Kontakte aufrechtzuerhalten und neue Verbindungen zu knüpfen.

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Gerade an den hohen Feiertagen und speziell „zwischen den Jahren“ wird die Vereinsamung vieler Menschen deutlich. Single-Reisen in exotische Ziele haben dann Hochkonjunktur. Nur weg aus dem kalten Deutschland, in wärmere Gefilde. Dabei meinen die meisten Singles nicht die realen frostigen Temperaturen, sondern die Kälte der eigenen Gesellschaft, was aber keineswegs zugegeben wird. Die innere Einsamkeit lässt sich am tropischen Strand nur mit Ablenkungen überdecken. Die Zuhausegebliebenen machen den Fernseher und das Internet zum besten Freund.

Tatsächlich besitzen fast alle Singles in ihrer Umgebung tiefer gehende soziale Beziehungen, die aus dem einen oder anderen Grund quasi auf Eis gelegt wurden. Diese nun aufzutauen, fällt oft unendlich schwer. Lieber 10.000 km weit fliegen, um ein „gekauftes“ Familiengefühl zu bekommen, als sich mit Menschen in Verbindung zu setzen, die tatsächlich Familie, die tatsächlich Freunde sind. Jeder kann den ersten Schritt machen, etwa mit einer Weihnachtseinladung. Das ist ganz einfach und die Angst davor, etwas Falsches oder Unpassendes zu tun, völlig unbegründet. Im Gegenteil, viele Menschen warten darauf, ein Signal zu bekommen, dass sie nicht alleine sind und dass auch nach Jahren der Entfremdung das Band nicht zerrissen ist – das Band der Liebe und der Freundschaft.

© Foto Alexas_Fotos / pixabay

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